Trauergefühle und Trauma


Der Tod eines Kindes stürzt Eltern in tiefste Verzweiflung. Die Gefühle, die sie in voller Intensität erleben, sind schier unerträglich. Trauer und Angst, Schuldgefühle, aber auch Wut und Ohnmachtsgefühle angesichts der Endgültigkeit des Todes prägen den Alltag. Alle Hoffnungen und Träume für die Zukunft werden jäh zerstört. Der Sinn des Lebens scheint plötzlich verloren gegangen.
Der Verlust eines Kindes wird als so einschneidend erlebt, dass Eltern meinen, es wäre ein Stück von ihnen gestorben. Es ist ein Schmerz, der niemals aufhört.
Jeder Mensch trauert anders. Dennoch gibt es Ähnlichkeiten: Die Eltern erstarren direkt nach dem Tod des Kindes wie in einem Schock. Es wirkt ein Schutzmechanismus, der die zerstörerische Wirklichkeit von der Seele fern hält.
Erst nach längerer Zeit können Eltern beginnen, sich mit dem Verlust auseinander zu setzen. Meist dauert dies so lange, dass Menschen in ihrer Umgebung erwarten, dass der Tod langsam verarbeitet sein müsste. Das Gegenteil ist der Fall. Den Tod eines Kindes zu verkraften, dauert für manche Eltern ein Leben lang.
Viele Eltern ziehen sich zurück und isolieren sich. Sie fühlen sich unendlich einsam. Erst nach einiger Zeit können sie wieder auf andere Menschen zugehen und am Leben teilnehmen.
Es dauert viele Jahre, bis Eltern wieder einen Sinn in ihrem Leben sehen – bis sie spüren, dass ihr eigenes Leben weitergehen kann. Sie gewinnen ein neues inneres Gleichgewicht.
Das bedeutet nicht, dass sie ihr Kind vergessen haben. Die Geburtstage des verstorbenen Kindes werden weitergezählt. Erleben Eltern andere Kinder im Alter ihres toten Kindes, denken sie unwillkürlich daran, wie es nun wohl aussähe, welche Fähigkeiten es hätte … Das gestorbene Kind fehlt in der Familie. Das bleibt so.
Trauma und die Auswirkungen

Trauma (griech.: Wunde) und die Auswirkungen
Die betroffenen Angehörigen stehen nach diesem Schicksalsschlag mit ihren Sorgen, Nöten, Ängsten und Folgen völlig alleine da. Nur in geringem Maße finden Sie beratende und finanziellen Hilfen. Weiterhin sind die begleitende Seelsorge und Traumatherapie zeitlich eingeschränkt.
Eine Mutter wird niemals den Tod ihres Kindes verarbeiten bzw. verkraften können, aber sie kann lernen, dass das Leben weiter geht und das Sie sich nicht aufgeben darf. Die Gründerin von ANUAS, Marion Waade gewann aus solchen Erfahrungen heraus die Kraft, diese Hilfsorganisation zu gründen.
Die posttraumatischen Belastungsstörungen führen zur sozialen Isolation, Verlust von Freunden, entfernteren Familienangehörigen – weil diese mit dem Thema meistens nicht zurecht kommen. Oft sind die betroffenen Angehörigen lange krank oder stürzen sich kopfüber in die Arbeit, bis sie kräftemäßig zusammenbrechen. Arbeitskollegen bringen nur bedingt bzw. zeitlich begrenzt Verständnis für die Trauer auf “…als meine Oma gestorben ist, habe ich auch 1 Jahr getrauert und bin dann darüber hinweggekommen … jetzt mußt Du ja auch schon langsam darüber hinwegkommen… Du mußt Dir Grenzen setzen… es wird schon alles wieder…” u.ä. Äußerungen.
Wie aber geht es Geschwisterkindern?
Gerade auch für Kinder und Jugendliche ist es schwer zu verstehen, warum die Eltern einem toten Geschwisterkind nachtrauert. “…ich bin doch noch da und ich lebe …, warum habt ihr mich nicht lieb … wieso liebt ihr das tote Kind mehr als mich …”
Unverständnis und Aggressionen entwickeln sich in diesem überlebten Kind. Auch Kinder – unterschiedlichen Alters – leiden. Sie haben ein Geschwisterkind, einen Freund und Kameraden verloren. Auch sie sind geschockt und unkonzentriert. In der Schule können Schulkameraden und Lehrer mit dem Erlebten dieser Kinder nicht umgehen. Diese Kinder fühlen sich unverstanden und ziehen sich aus dem alltäglichen, sozialen Umfeld zurück.
Wo sollen sie hin? Die Eltern trauern und kämpfen um eigenes Überleben, oder werden depressiv und verfallen ggf. der Sucht. Die Mitschüler und Lehrer wollen mit diesem Problem – welches sie “glücklicher Weise” nicht getroffen hat – nicht konfrontiert werden.
Einsamkeit, Unverstanden werden, Traurigkeit, Leere und Aggressivität entwickelt sich. Die Aggressionen werden ausgelebt und es kann sich ein Amokläufer entwickeln.
Hier setzt die Tätigkeit der Hilfsorganisation ANUAS an. Um das soziale Leben, z. B. bei Einzelpersonen oder innerhalb von Familien zu stützen und den Fall in ein tiefes Loch zu verhindern, bieten wir Hilfe zur Selbsthilfe an.

Berlin e.V.