ANUAS-Kodex

 

zum Schutz von Kindern vor Missbrauch und Ausbeutung,

insbesondere

sexualisierte, physische und psychische Gewalt,

in der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit,

in der Entwicklungszusammenarbeit und der Humanitären Hilfe1

 

Einleitung

 

Die ANUAS-Mitglieder haben sich verpflichtet, einen Beitrag für mehr Gerechtigkeit zu leisten.

Gemeinsam wollen die ANUAS-Mitglieder und seine Arbeitsgruppen mit noch größerem Nachdruck für die Bekämpfung der Armut, die Verwirklichung der Menschenrechte und die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen eintreten.

Dem Prinzip folgend  „Kinderrechte sind Menschenrechte“, fühlen sich alle ANUAS-Mitglieder verpflichtet, Mädchen und Jungen in der Inanspruchnahme ihrer Rechte zu stärken und sie vor Missbrauch und Ausbeutung im Rahmen der entwicklungspolitischen Bildungs-, Öffentlichkeits- und Kampagnenarbeit (im Folgenden: entwicklungspolitische Inlandsarbeit), in der Entwicklungszusammenarbeit und der Humanitären Hilfe zu schützen.

Ziel jeder Organisation dieser Arbeitsfelder muss es dabei sein, ein Umfeld zu schaffen, das für Kinder2  und gefährdete Personen sicher ist und in dem die Einhaltung der Menschenrechte gewährleistet ist.

Dies beinhaltet auch den Schutz vor Missbrauch im Rahmen ihrer eigenen Organisationsstrukturen.

 

Bezugsrahmen

In jedem Land und jeder Gesellschaft sind Mädchen und Jungen von sexualisierter Gewalt3,

Missbrauch und Misshandlung sowie Ausbeutung betroffen.

Eine große Anzahl der Menschen, die im Rahmen der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit angesprochen werden bzw. in der Entwicklungszusammenarbeit und der Humanitären Hilfe Unterstützung erfahren, sind Kinder. Sie bedürfen besonderer Förderung und eines besonderen Schutzes.

Es ist eine Aufgabe der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit und der Entwicklungszusammenarbeit, Kinder darin zu stärken, ihre Rechte wahrzunehmen, auf ihre Anerkennung als Subjekte ihres Handelns hinzuwirken, ihre Entfaltungs- und Entwicklungsbedingungen sowie ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten zu verbessern und sie vor möglichen Gefährdungen zu schützen.

Das UN-Übereinkommen über die Rechte des Kindes sowie die beiden Zusatzprotokolle4  bilden den Bezugsrahmen für diesen Kodex.  Dabei genießt das Kindeswohl höchste Priorität.

 

Verpflichtungen

Wir wollen den Schutz von Kindern und die nachfolgenden Standards als Qualitätsmerkmal in unserer

In- und Auslandsarbeit etablieren.

Der Verband und seine Mitglieder verpflichten sich,

  1. alle Mädchen und Jungen in allen ihren Rechten zu stärken und vor sexualisierter,

psychischer oder physischer Gewalt, Ausbeutung sowie Vernachlässigung zu schützen;

  1. ein Umfeld zu schaffen, das für Kinder und gefährdete Personen sicher ist und in dem die

Einhaltung der Kinder- und Menschenrechte gewährleistet wird;

  1. Kinder bei sie betreffenden Maßnahmen zu beteiligen und ihre Interessen und Kompetenzen

bei der Planung und Umsetzung unserer Aktivitäten zu berücksichtigen;

  1. innerhalb unserer Organisation und bei unseren Partnern Bewusstsein zu schaffen und für

das Thema zu sensibilisieren;

  1. geeignete Instrumente einschließlich klar definierter Verantwortlichkeiten und

Vorgehensweisen in den Bereichen Prävention, Krisenmanagement und Monitoring zu

implementieren;

  1. im Rahmen unserer Presse-, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sicherzustellen, dass die

Würde des Kindes stets gewahrt bleibt;

  1. Entscheidungsträgerinnen und -träger in Politik und Wirtschaft sowie Netzwerke in diesem

Sinne zu sensibilisieren.

 

Mit der Verabschiedung des Kodex zum Kindesschutz bekunden die ANUAS-Mitglieder zugleich ihren

Willen, an der Umsetzung des Kodex zu arbeiten.

Bei mutmaßlichen Verstößen gegen diesen Kodex ist der ANUAS-Vorstand verpflichtet, dem

nachzugehen.

Bei Feststellung von Verstößen sind angemessene Maßnahmen einzuleiten.

Verhaltensnormen KinderKodex

Berlin, März 2016

 

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PDF LogoKinderKodex

 

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Erklärende Fußnoten:

1Dieser Kodex ist in Wort und Geist angelehnt an den ›VENRO-Kodex zu Kinderrechten: Schutz von Kindern vor Missbrauch und Ausbeutung in der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe‹ in seiner Fassung vom Dezember 2010. Auch wenn der VENRO-Kodex ausdrücklich die entwicklungspolitische Inlandsarbeit einbezieht, ist sie im ANUAS-Kodex an einigen Stellen noch expliziter genannt. Denn der Großteil der Arbeit entwicklungspolitischer NRO, die im ANUAS organisiert sind, besteht aus entwicklungspolitischer Inlandsarbeit, aus Bildungs-, Öffentlichkeits- oder Kampagnenarbeit, die Berliner/innen für den Eine-Welt-Gedanken sensibilisieren soll.

2Laut ›UN-Kinderrechtskonvention‹ bedeutet Kind »jeder Mensch, der das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat,

soweit die Volljährigkeit nach dem auf das Kind anzuwendenden Recht nicht früher eintritt.«

3 Sexuelle Gewalt ist eine individuelle, alters- und geschlechtsabhängige (definierte) Grenzverletzung und meint jede sexuelle

Handlung, die an oder vor einem Kind oder einem/einer Jugendlichen entweder gegen dessen/deren Willen vorgenommen wird

oder der das Kind oder der/die Jugendliche aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht

wissentlich zustimmen kann.

Der/die Täter/-in nutzt seine/ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um seine/ ihre eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen. (nach Bange/ Deegener: Sexueller Missbrauch an Kindern, Weinheim 1996)

4Vgl. ›Fakultativprotokoll zu dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes, betreffend die Beteiligung von Kindern an

bewaffneten Konflikten‹ und ›Fakultativprotokoll zu dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes, betreffend Kinderhandel,

Kinderprostitution und Kinderpornographie‹.

Ein drittes ›Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend ein Individualbeschwerdeverfahren‹ ist im Dezember 2011 in der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen worden, bedarf aber noch der Unterzeichnung und Ratifizierung durch mindestens zehn Staaten, bevor es in Kraft tritt.