Inzwischen sind seitens der MSB Medical School Berlin alle Vorarbeiten abgeschlossen und wir können mit dem Projekt beginnen.
Es handelt sich um eine internetbasierte Studie zur Geschwistertrauer, die unter Leitung von Frau Prof. Dr. Birgit Wagner (wissenschaftlicher Beirat VEID) durchgeführt wird.

Trauernde Geschwister


Forschungsprojekt 

„Innerfamiliäre Tötungsdelikte im Zusammenhang mit Beziehungskonflikten, Trennung beziehungsweise Scheidung – Konsequenzen für die Jugendhilfe“,

Diese Studie widmet sich erstmals in Deutschland dem Erleben der hinterbliebenen Kinder und Jugendlichen nach innerfamiliären Tötungskonflikten, um deren subjektive Sichtweisen, Erfahrungen und Hilfebedarf zu erforschen und abzubilden. Sie soll dazu beitragen, erste Daten und Erkenntnisse zu erlangen, um die Jugendhilfepraxis zu verbessern für eine bessere Unterstützung von Kinder und Jugendliche, die im Kontext von Trennung, Scheidung oder Beziehungskonflikten Angehörige verloren haben. Zusätzlich wird im Rahmen des Forschungsprojekts die subjektive Bewertung weiterer professioneller Hilfs- und Unterstützungsangebote erforscht. Das Forschungsprojekt leistet somit einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe sowie anderer Hilfs- und Unterstützungsangebote.

Ziel der Studie ist es herauszufinden, was betroffenen Kindern und Jugendlichen geholfen hat, welche Bedarfslagen bestehen und was die Konsequenzen für die Jugendhilfe und andere Institutionen sind. Bisher wurden insgesamt 17 problemzentrierte Forschungsinterviews sowie ergänzend weiterhin 17 Hintergrundgespräche mit Helfenden geführt, um auch deren Expertise, Erfahrungen und Gedanken in thematisch relevanten Bereichen, wie dem Opferentschädigungsgesetz oder der polizeilichen Arbeitspraxis, einbeziehen zu können. Im Oktober 2015 wurden erste Zwischenergebnisse mit 26 Expertinnen und Experten aus Forschung, Praxis und Verwaltung in Karlsruhe, auch unter Beteiligung von betroffenen Überlebenden, diskutiert. Das Projektvorhaben basiert auf einem qualitativen Forschungsdesign. Auf Grundlage datenschutzrechtlicher und forschungsethischer Überlegungen fiel die Entscheidung für eine kategoriengeleitete Auswertung und gegen eine fallanalytische Methodik, um den Schutz vor einer möglichen Identifizierung der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner zu gewährleisten. Als methodisches Vorgehen wurde die strukturierende Inhaltsanalyse nach Udo Kuckartz gewählt.

Alexandra C. Schmidt, ist Diplom-Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Jugendamts Karlsruhe. Sie führt das Forschungsprojekt sowie die Forschungsinterviews im Rahmen der Studie „Innerfamiliäre Tötungsdelikte im Zusammenhang mit Beziehungskonflikten, Trennung beziehungsweise Scheidung – Konsequenzen für die Jugendhilfe“, durch.

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titel

Studienzeit Jan. 2015 – Dezember 2016

ANUAS-Arbeitsgruppe, Wissenschaftlicher Beirat, Mediatoren und Psychologen

 

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Forschungsprojekt „Trauer, Trauma und Fragen der Gerechtigkeit in Deutschland“

Dr. Judith Albrecht hat im wissenschaftlichen Arbeitskreis Medical Anthropology/Medizinethnologie der Freien Universität Berlin einen ersten Vortrag zu dem Forschungsprojekt „Trauer, Trauma und Fragen der Gerechtigkeit in Deutschland“ gehalten.

In dem Vortrag wurde das Forschungsprojekt, erste Erkenntnisse und weiterführende Fragen vorgestellt und diskutiert.

Das Projekt beschäftigt sich mit dem Nexus von Emotionen, Psychiatrie und Recht.

Wichtige Forschungsfragen hierbei sind:

  • Wie werden Angehörige von Opfern eines gewaltsamen Todes in Prozesse der Rechtsfindung und Rechtssprechung mit einbezogen?
  • Wie werden Sie von Polizei und Justiz behandelt?
  • Wie werden Angehörige von Psychologen und Psychiatern behandelt?
  • Ab wann wird Trauer in der deutschen Gesellschaft pathologisiert?
  • Inwieweit werden Erfahrungen und Emotionen von Angehörigen nach einem Mordfall staatlich kontrolliert (durch Polizei, Justiz, Behörden etc…)?
  • Welche unterschiedlichen Erwartungen und Vorstellungen von Gerechtigkeit werden hierbei verhandelt?

PDF LogoZusammenfassung Vortrag

 

Ethnologische Forschungsarbeit

Die ethnologische Feldforschung, die in den nächsten zwei Jahren von Dr. Judith Albrecht in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband ANUAS e.V. durchgeführt wird, beschäftigt sich vornehmlich mit den Angehörigen von Mordopfern, die in der deutschen Gesellschaft nach wie vor nicht als Opfer, sondern von politischer, juristischer und bürokratischer Seite lediglich als Angehörige des Opfers gesehen und behandelt werden.

Dies hat schwerwiegende Folgen für das Weiterleben und die seelische und körperliche Gesundheit von Hinterbliebenen.

Speziell in langen Ermittlungsverfahren von Mordfällen und im behördlichen Umgang mit den Angehörigen wird oftmals nicht berücksichtigt, dass man hier mit traumatisierten Menschen umgehen muß.

Dieser Umgang erfordert ein spezielles Fachwissen und Empathie.

Jenen Familien und Angehörigen wird  in den Verfahren oftmals keine Kontrolle über ihr Leben zurückgegeben, sondern es wird im Gegenteil Kontrolle über sie und ihre Leben ausgeübt und somit eine oftmals kaum zu ertragende und retraumatisierende Realität erzeugt.

Bürokratische Prozeduren zwingen die Personen dazu, in der Situation zu funktionieren, eine nachhaltige Versorgung der seelischen und körperlichen Gesundheit wird jedoch nicht gewährleistet.

Daher brechen Menschen oftmals nach den ersten Monaten des schockartigen Funktionierens zusammen, werden krank und kehren nicht mehr an ihre Arbeitsplätze zurück.

Dies hat meist einen finanziellen Einbruch zur Folge und somit geht auch die materielle Sicherheit verloren.

Es wird deutlich, dass die Situation, in der  die  Angehörigen von einem Mordopfer  hineingeraten, sehr komplex ist. Es geht also nicht allein um Trauer und Trauma, sondern es geht um Fragen des Zugangs zu Recht, um Fragen von behördlichen und staatlichen Machtstrukturen, um Fragen der ökonomischen Sicherheit, denen nachgegangen werden soll.

 

Will man mit Menschen in Kontakt treten, die solche schmerzhaften und traumatischen Erfahrungen gemacht haben und sie ermutigen zu sprechen, ist es vor allem notwendig eine sichere Atmosphäre zu schaffen.

Ebenso ist es wichtig, dass die Gespräche und Interviews auf einem gegenseitigen Vertrauen basieren.

Es soll darum gehen auf die Personen mit ihrem ganz individuellen Schicksal einzugehen und diese Stimmen sichtbar zu machen.

Im Gegensatz zu quantitativen Forschungen schafft ethnologisches Arbeiten genau diese Voraussetzungen.

Ethnologisches Arbeiten basiert auf qualitativen Methoden. Das bedeutet, dass es keine standardisierten Fragebögen gibt.

Frau Dr. Albrecht wird Interviews und Gespräche  mit Familien und Angehörigen, ebenso wie mit Experten im Bereich, Recht, Medizin, Psychologie, Bürokratie, Politik führen.

Personen werden in der veröffentlichten Studie anonymisiert, wenn Sie das wünschen. Desweiteren wird sie, wenn Personen das erlauben, mit zu Behördenbesuchen, Anwaltsbesuchen oder Gerichtsverhandlungen mitgehen, also teilnehmend beobachten.

Das Anliegen dieser Forschungsstudie ist es, zu untersuchen und zu zeigen wie gesellschaftlich mit Gewalt/Mord  – Trauma und Trauer umgegangen wird.

Es ist mittlerweile bekannt, dass im Falle einer Traumatisierung  der persönliche und gesellschaftliche Kontext maßgeblich an der Verarbeitung und für eine Heilung des Traumas oder aber auch für eine Retraumatisierung verantwortlich sind.

Eine Traumatisierung betrifft somit immer auch die gesamte Gesellschaft, da sich ein traumatisierter Mensch im Bestreben der Stabilisierung in einer Beziehung zu seinem Umfeld befindet.

Die Forschungsarbeit will  diese Wechselbeziehung von Gewalt/Mord, Trauer und Trauma, Stabilisierung und Gesellschaft genauer untersuchen.

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Weitere Informationen und Anmeldungen zur Studie

bitte direkt an den Bundesverband ANUAS e.V. – Hilfsorganisation für Angehörige von Mord-, Tötungs-, Suizid-, Vermisstenfällen –

E-Mail: info@anuas.de * Ansprechpartner: Marion Waade

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Quelle: Humanistische Ansätze –Überblick – ppt herunterladen